Zweifelhafte Verwendung der Studiengebühren in Osnabrück (Update)

Taiwanische Drachenboot. Quelle: Wikipedia.Die Hannoversche Allgemeine berichtete am Dienstag über ein Geldproblem der Fachhochschule Osnabrück "der besonderen Art": Sie weiß nicht, wohin mit den Studiengebühren. Drei Millionen Euro blieben pro Jahr auf dem Konto der Hochschule liegen.

Das führe dann zu zweifelhaften Anschaffungen, die in der letzten Zeit aus den studentischen Geldern getätigt worden seien:

  • Tischkicker an der Fakultät für Agrarwissenschaft: 500 Euro
  • Billardtisch im studentischen Gesellschaftsraum
  • Edelstahlgrill für die Außenstelle der FH in Lingen: 1000 EUR
  • Anschaffung, Wartung und Unterbringungung eines Drachenboots: 40.000 EUR

Zur Erinnerung:

"[...] Die Einnahmen hat die Hochschule einzusetzen, um insbesondere das Betreuungsverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden zu verbessern, zusätzliche Tutorien anzubieten und die Ausstattung der Bibliotheken sowie der Lehrund Laborräume zu verbessern; sie kann sie auch für die Aufgaben nach § 3 Abs. 1 Nr. 8 [Anm.: Vergabe von Stipendien] einsetzen. Sofern aus den Einnahmen zusätzliches Lehrpersonal finanziert wird, darf dieses nur zu solchen Lehraufgaben verpflichtet werden, die das für die Studiengänge erforderliche Lehrangebot ergänzen oder vertiefen. § 13 Abs. 8 [Anm.: Langzeitstudiengebühren] bleibt unberührt." (§ 11 Abs. 1 Niedersächsisches Hochschulgesetz)

Der Radiosender ffn, dessen Lokalredaktion diese Story aufschnappte, interviewte dazu den Vizepräsidenten der Fachhochschule Dr. Rainer Kleinholz (Sendung vom 10. Juni 2009 16:30):

"Das Drachenboot ist nunmal von unserem Lingener Department als ein wesentlicher Aspekt gesehen, von den Studierenden sehr gewünscht und deswegen ist eben ein Teil unseres Etats, genau 0.5%, auch dafür eingesetzt worden." [...] Kleinholz sagt, dass eine Verbesserung der Lehre auch durch ein besseres Betriebsklima an der Hochschule erreicht werden kann, etwa durch einen Tischkicker. "Ich halte das durchaus für vertretbar, wenn das von den Studierenden ausdrücklich gewünscht wird, dass ein Tischkicker auf dem Flur aufgestellt wird. Auch das erhöht die Freude am Studieren und letztendlich wollen wir ja mit den Studierendenbeiträgen das tun, was die Studierenden auch eigentlich wünschen. Es ist eigentlich deren Geld und es soll auch in deren Sinne verausgabt werden."

<Sarkasmus>Ja sicher, und weil die Studenten der FH nun so viel Freude am Studieren haben, macht es ihnen auch nichts aus, für die Beschaffung der Studierengebühren (noch mehr) Arbeiten gehen zu müssen und so noch länger studieren zu dürfen.</Sarkasmus>

Nun könnte man annehmen, dass - wie bei früheren Vorkommnissen an anderen Hochschulen - das Präsidium der Fachhochschule diese Anschaffungen eigenmächtig tätigte. Doch an der FH Osnabrück herrscht eine Besonderheit. Dort sind die Studierenden über ein durch das FH-StuPa besetztes "Gremium zur Verwendung der Studienbeiträge" paritätisch an der Verteilung der Studiengebühren beteiligt. Eine Position, die sich die sich selbst gerne als unpolitisch bezeichnenden studentischen Vertreter durch die Verweigerung der Teilnahme am Studiengebührenboykott 2006 erkauft haben. Und tatsächlich scheint es gängige Praxis zu sein, dass das Präsidium bisher keine Zuteilung der Mittel gegen den Rat dieses Gremiums machte.

Ich halte es für mehr als zweifelhaft, dass die hier angeführte Verwendung der Studiengebühren einer richterlichen Kontrolle standhalten würde. Einen Tischkicker als Verbesserung der Lehre auszugeben ist ja nun - mit Verlaub gesagt - ein schlechter Witz, oder? Ich konnte mir jedenfalls garnicht vorstellen, dass diese Ausgaben durch die gewählten Studierendenvertreter abgesegnet worden sind und bat Dr. Kleinholz sowie den AStA der Fachhochschule um Stellungnahme:

[...]

  1. Wer genau in diesem Zusammenhang die Studierendenschaft ist, die diese Anschaffung gewünscht bzw. autorisiert hat. Handelt es sich um die gewählten Vertreter der Studenten im StuPa, oder um "Einzelmeinungen"?
  2. Was ist die Position des AStA zu der Verwendung der studentischen Gelder in dieser Form?
  3. Ist die Ausgabe tatsächlich, wie in dem Bericht angedeutet, durch die Studierende im "Gremium zur Verwendung der Studienbeiträge" autorisiert worden? Gibt es öffentliche Protokolle dieser Sitzungen?
  4. Ist das Gremium der Ansicht, im "Einvernehmen" die studentischen Gelder auch für Zwecke verwenden zu können, die nicht durch das Gesetz zur Verwendung der Gelder gedeckt sind? Die Teilnahmemöglichkeit an Rennen durch ein "verbessertes Betriebsklima" als Verbesserung der Lehre anzusehen halte ich jedenfalls für ziemlich weit hergeholt.

[...]

Von Herrn Kleinholz erhielt ich noch keine Antwort, aber das Referat für Hochschulpolitik antwortete umgehend. Man sagte mir, dass man den Bericht der HAZ für stark subjektiv halte und rechtfertigte die Anschaffungen des Drachenbootes mit der Verwendung für den Hochschulsport. Außerdem verwies man nochmal auf das starke Mitspracherecht der Studierenden an der FH und eine in Planung befindlichen offiziellen Stellungnahme des AStA. Öffentliche Protokolle über die Gremien-Sitzungen habe ich nicht bekommen, falls es denn überhaupt welche gibt. Was sehr schade ist, denn so ließe sich die Motivation bei der Abstimmung über diese Themen vielleicht besser nachvollziehen.

Andere mögen es für vermessen halten, dass ich mich als Student der Uni über eine solche "interne" FH-Angelegenheit echauffiere. Ich dagegen halte es für ziemlich vermessen, im Namen der Studierendenschaft einer derart zweifelhaften Verwendung der Studierengebühren zuzustimmen. Was passiert, wenn die Hochschulleitung als nächstes ihre Heizungskosten aus Studiengebühren finanzieren möchte? Warme Hörsäle fördern schließlich das Betriebsklima ungemein...

Die studentischen Gremien der Uni Osnabrück haben sich seit je her dagegen entschieden, an der Verteilung der Studiengebühren beteiligt zu werden oder davon zu profitieren. Die einzige Ausnahme ist ein Topf von 500.000 EUR, der durch die ZSK in einem eng gesteckten Rahmen verteilt werden kann - hier sind tatsächlich die Hälfte der Mitglieder Studierende, allerdings ist dies auch nicht der Schwerpunkt dieser Kommission und so weit ich weiß bleibt ein großer Teil des Geldes am Ende des Jahres liegen. Jedenfalls kann der Uni-AStA dadurch kaum in die Situation kommen, eine rechtlich problematische Verwendung der Studiengebühren rechtfertigen zu müssen. Das Problem an der UOS ist eher, überhaupt über die Details der Verwendung Kenntniss zu erlangen. Die durch die Uni öffentlich zur Verfügung gestellten Broschüren finde ich jedenfalls unbefriedigend.

Nachtrag: Diesen Absatz möchte ich im Nachhinein etwas klarer Formulieren. Die rein studentischen Gremien haben sich gegen die Beteiligung an der Verwendung der Studiengebühren entschieden. In Gremien wie den Studienkommissionen gibt es tatsächlich gewisse Mitsprache- und Kontrollmöglichkeiten. Allerdings erfüllen diese in erster Linie andere Aufgaben und existierten bereits vor der Einführung der Studiengebühren.

Unsere Forderung (jedenfalls des überwiegenden Teils der studentischen Vertreter) ist weiterhin die komplette Abschaffung dieser sozial ungerechten Hochschulfinanzierung. Auch an der Universität Osnabrück bleibt viel Geld als "Sonderrücklage" liegen - aber das ist nicht unser Problem. Ohne den entsprechenden Druck werden die Präsidien der Hochschulen in Niedersachen kaum irgendeine Änderung unterstützen. Und dieser Druck entsteht zum Beispiel aus einer konfrontationsfreudigen, politisch aktiven studentischen Selbstverwaltung, die nur auf den ersten Fehltritt wartet.

Disclaimer: Wie alles in diesem Blog gibt auch dieser Beitrag meine persönliche Meinung wieder. Diese muss nicht identisch mit der Ansicht des AStA, des StuPa oder der Grünen Hochschulgruppe sein.

Bild: Wikipedia

Update 14:30

Inzwischen ist die Stellungnahme des FH-AStA veröffentlicht. Im großen und ganzen wird dort noch einmal die Antwort auf meine E-Mail wiederholt. Darüber hinaus fordert der AStA, dass "die starren Vorgaben zur Einnahmehöhe der Studienbeiträge durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens gelockert werden sollten". Diesem Aufruf kann ich mich nur teilweise anschließen. Zwar kann eine engagierte Studierendenschaft eine Reduzierung der Studiengebühren erreichen, wie das Beispiel der Universität Münster zeigt. Dort wurde durch massive Proteste zunächst die Einführung für ein Jahr verhindert, woraufhin im nächsten Jahr ein Satz in Höhe von 275 EUR mit knapper Mehrheit eingeführt worden ist. Meiner Meinung nach zeigt jedoch eine freizügige Verwendung der Gebühren wie an der FH in die falsche Richtung und schafft Ansprüche, die später nur schwer zurück zu schrauben sein dürften.

Comments

Ich kann Marcells Blog nur unterstützen. Ich fand es ebenfalls sehr merkwürdig was da bei der StuPa Sitzung abgelaufen ist. Jedoch viel schlechter für die Uni waren doch die Presseartikel in der NOZ. Das Image ist durch diese Berichte sicherlich nicht verbessert worden.

Ist es nicht auch so, dass die Grüne Hochschulgruppe Osnabrück, für die Verbesserung des Semestertickets (nicht zu jedem Preis) bei den StuPa Wahlen geworben hat?! Da 72Fahrten der Linie 21 am Tag für die Hochschulen relevant sind und die Stadtwerke 10 x Zusatzfahrten in dem Zeitraum angeboten hat, ist eine Preiserhöhung von 4,50€ pro Student pro Semester durchaus gerechtfertigt. Wahlversprechen?!-> Nicht eingehalten!! Da wäre es doch eher sinnvoll die Preise der DB für das Semesterticket zu hinterfragen. Aber das wurde ja vom StuPa so akzeptiert, obwohl man sich durchaus fragen muss, ob Studenten Strecken der DB im Harz nutzen.

Nur mal so nebenbei die Meinung der Grünen zu dem Thema :

http://www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/cms/presse/dok/289/289275.ve...

"Mag sein, dass bei den meisten Parlamentariern die Entscheidung schon vorher feststand, aber ein solches Verhalten hat eher das Bild der Stadtwerke bei uns als umgekehrt beschädigt." (sorry, aber habe keine Ahnung um hier ein Zitat zu machen.

Du vergisst aber nicht, dass die Stadtwerke am längeren Hebel sitzen als ihr Palamentarier oder? Habt ihr bei der Sitzung eigentlich mal an die knapp 2000 Studenten der Uni gedacht, die so wie du auch, am Westerberg studieren? Ich glaube, wenn die Stadtwerke wirklich Druck machen und die Studenten am Westerberg das ganze Vorgehen mitbekommen, kann sich der Sozialreferent auf zig Email gefasst machen. Ich glaube nämlich, dass nicht jeder Student von der Entscheidung des StuPa weiß.

Und was ist eigentlich mit dem "prestige Objekt"? Soweit ich weiß, steht dieses nur einmal in einem Nebensatz im von dir geschriebenen Protokoll. Jedoch schreibst du ein Leserbrief fast nur über diesen Satz.

Und wieso bedauerst du, dass niemand der FH bei der Sitzung war? Aus dem Interview des Unifunk konnte man entnehmen, dass niemand eingeladen war. Wieso stellt man sowas nicht im voraus sicher, wenn es dir doch so wichtig ist (siehe Protokoll)?

Weißt du was? Sag mir, wer du bist, und wir diskutieren das persönlich aus. Ich hab keine Lust mit jemandem zu reden, der mich in der Uni womöglich nur doof angrinst. Deshalb schalte ich in diesem Thread nun keine Beiträge mehr frei, deren Autor sich nicht zumindest mit der Mailadresse mir gegenüber identifiziert.

Das Wort "Prestigeprojekt" taucht im Protokoll übrigens überhaupt nicht auf. Und die Überschrift bei Leserbriefen sucht sich der Leserbriefschreiber auch nicht selbst aus.

Die studentischen Gremien der Uni Osnabrück haben sich seit je her dagegen entschieden, an der Verteilung der Studiengebühren beteiligt zu werden

Weil "wir" also gegen Studiengebühren sind, haben "wir" uns entschieden, jegliche Einflussnahme auf die Verteilung der Gelder zu vermeiden? Wenn du das wirklich so meinst, wie es sich liest, haben "wir" damit auch gar kein Recht, uns über irgendeine Verwendung der Gelder zu beschweren.

Ansonsten schließe ich mich Marcell an.

Rangoo: StuPa und AStA haben sich tatsächlich dagegen entschieden, irgendeine Verwendung der Studiengebühren abzusegnen. Vor einiger Zeit ist dem AStA zum Beispiel angeboten worden, die Kopierkosten durch eine Bezuschussung aus Studiengebühren zu reduzieren. Dies wurde abgelehnt, unter anderem auch, weil ein großer Teil der Kopien durch wissenschaftliche Mitarbeiter angefertigt werden. Das wirklich interessante ist jedoch, dass die Preisreduzierung dennoch kam! Nur halt nicht aus Studiengebühren finanziert. Das Recht, sich über die Verwendung der Gelder zu beschweren, verlieren wir dennoch nicht - denn durch das Hochschulgesetz sind klare Regeln vorgegeben, die (meiner Meinung nach!) in diesem Fall überschritten worden sind.

Marcell: Was tut das StuPa (bzw. der AStA) für die Studierenden? Z.B. Schlossinnenhof-OpenAir, StudiBulli, Finanz- und Rechtsberatung, die Fürderung einer Reihe von studentischer Initiativen, das (egal in welcher Form umstrittene) Semesterticket, Fahrradwerkstatt, Lernmittelverkauf und so weiter und so fort. Darüber hinaus noch die Vertretung der studentischen Interessen in diversen Ausschüssen und Kommissionen.
Thema Bildungsstreik: Ich war nicht bei der Studentischen Vollversammlung, da ich zu der Zeit einen Vortrag halten musste. Mir wurde aber was von guter Beteiligung und dem einstimmigen Beschluss zur Teilnahme am Bildungsstreik erzählt. So falsch kann es also nicht gewesen sein. Davon abgesehen ist mir eine politisch engagierte Studierendenschaft deutlich lieber als Mitläufer, denen es nur darum geht, in der Gesellschaft ein gutes Bild zu haben.

Gast: Über das Semesterticket diskutier ich an dieser Stelle nicht, das ist immer ein streibares Thema - und allen Recht machen kann man es einfach nicht. Nur soviel: Wenn du glaubst, dass die Verhandlungen mit der Bahn oder sonst wem einfach seien, dann lad ich dich ein, dich für das Sozialreferat im AStA zu bewerben und dies selbst zu versuchen. Zum Thema Linie 21: Man beachte die zwei Für-Stimmen bei der Abstimmung zum Thema Stadtwerke ;-). Auch wenn ich persönlich die Erweiterung genommen hätte, kann ich die Gegenargumente absolut nachvollziehen, wie ich sie in meinem Leserbrief an die NOZ ja auch formuliert habe. Die Stadtwerkevertreter haben zum Beispiel jede konkrete Nachfrage, wie die Finanzierung der MaxiTrains ablaufen sollen, ausweichend bis lächerlich ("vielleicht in 100 Jahren abbezahlt") reagiert. Mag sein, dass bei den meisten Parlamentariern die Entscheidung schon vorher feststand, aber ein solches Verhalten hat eher das Bild der Stadtwerke bei uns als umgekehrt beschädigt.

Also mit dem Tischkicker haben sie mehr für die Studenten, sorry Studierenden erreicht, als es unser StuPa kann. Mach dir mal den Spaß und frage an einem beliebigen Tisch deiner Wahl in der Mensa, was der StuPa für diesen Tisch getan hat. In der Regel wirst du Schweigen im Walde erleben, weil der Uni-StupPa und der Uni-Asta am den Studierenden vorbei agiert. Allein schon der Aufruf um Bildungsstreik... Wen glaubt ihr vertretet ihr da? Die Studenten mit denen ich mich darüber unterhalte finden den Hochschulstreik peinlich und ärgern sich darüber, dass Studenten jetzt wieder so eine schlechte Außenwirkung erhalten. Diese Spontandemo letzte Woche war der Gipfel. Ohne Polizeischutz auf den Wall und hohle Phrasen gebrüllt. Alles mit freundlicher Unterstützung des Asta und des StuPas

Oder das peinliche Schauspiel des StuPas bei der Sitzung bzgl. der Linie 21 als die Herren von den Stadtwerken vortrugen. Was hat denn die Studierendenschaft von eurem Auftreten? Einen schlechten Ruf bei den Stadtwerken. Mehr nicht. Überfüllt ist der Bus trozdem und Problem gelöst ist es auch nicht. Aber Hauptsache ein paar politisch verirrte haben als Rächer der gerächten ihre Ideologie verteidigt.

Anstatt konstuktiv an der Gestaltung mitzuwirken wird lieber mit Steinen für den Weltfrienden geschmissen.

Von daher scheint mir der FH-Asta etwas näher am Studenten.

mhm... ein drachenboot für studenten. gute idee, wie ich finde. warum gibts so etwas eigentlich nicht an der uni?? wie wärs vielleicht mal mit einer segelyacht für alle bwl- studenten? oder eventuell kostenloser sekt für die profs? und für alle Spassverderber und elenden miesmacher gibts dann ne kostenlose ladung koks, um 30 Semesterwochenstunden, 20 Lernstunden und die 20 Arbeitstunden, durch die man die Studiengebühren bezahlt, auch ordentlich über die runde zu bekommen und das burnout- syndrom auf die zeit nach dem bachelor hinauszuzögern...

achso, tschuldigung, hab was vergessen: /Sarkasmus

"Davon abgesehen ist mir eine politisch engagierte Studierendenschaft deutlich lieber als Mitläufer, denen es nur darum geht, in der Gesellschaft ein gutes Bild zu haben."

Sag ich ja. Hauptsache dagegen.

Wie wars doch damit:

"Anonymität ist doch eine herrliche Sache, nicht wahr ;-)? Fast so schön wie die Freiheit, eine eigene Meinung haben zu dürfen."

:-D

Klar, "Privacy is not a crime" steht auch in meiner E-Mail-Signatur. Aber wenn du mich offenbar kennst (und ich dich?) und ne eigene Meinung dazu hast, die meiner anscheinend entgegen steht, aber nicht traust mir dies mitzuteilen, dann ist das Feige. Die hier angegebenen E-Mailadressen sieht niemand außer mir, Spamming ist also kein Argument... Und eine E-Mailadresse habe ich auch.

Man musst du langeweile haben, dich mit Themen zu beschäftigen die dich nichts angehen...

Anonymität ist doch eine herrliche Sache, nicht wahr ;-)? Fast so schön wie die Freiheit, eine eigene Meinung haben zu dürfen.

Ich find's interessant und klasse, dass Roland sich damit beschäftigt. Wenn es dich nicht interessiert, musst du es ja auch nicht lesen :-P

Insgesamt jedenfalls ein mindestens fragwürdiger Vorgang...

Sehr guter Beitrag Roland!

Mehr muss man dazu gar nicht sagen.

Ach doch... Hinterher fällt mir immer noch was ein...

Es wurde ja nach Legitimation des StuPa und AStA gefragt. Da ist die Antwort ganz einfach: demokratische Wahlen! Das StuPa ist ein gewähltes Organ und vertritt damit die Interessen der Studierenden. Und der AStA wird vom StuPa eingerichtet und hat damit auch seine Legitimation.

Auf der Vollversammlung hätte man noch diskutieren können. Auch das wurde nicht wahrgenommen und die Aktionen bis auf eine Enthaltung von der Gesamtheit der anwesenden Studierenden angenommen. Wer nicht da war hat seine Stimme verschenkt.

Bisher wurden auch irgendwie noch keine Argumente gegen Rolands Sicht gebracht, sondern nur an den Verfahrensweisen rumkritisiert. Nicht wirklich konstruktiv. Und wenn man der grünen HG zum einen Wortbruch vorwirft, sich dann aber eine "flexiblere" Herangehensweise bei anderen Themen wünscht, dann ist das auch nicht gerade überzeugend.

Und das mit dem Hauptsache dagegen ist völliger Blödsinn. Darauf muss man auch nicht näher eingehen.

Jeder der sich ein bisschen mit Studiengebühren befasst hat wird erkennen, dass es Menschen den Weg an die Uni versperrt, bzw. mit einem hohen Schuldenberg ins Berufleben schickt. Für Deutschland, dass außer seiner Bildung keine nennenswerten Ressourcen hat, ist das schon ein sehr armes Bild, wenn ein Elitedenken zur Politik wird. Aber dieses Denken scheint ja schon viele Studierende erreicht zu haben... DAS ist ein trauriges Bild! (Nach Innen wie nach Außen!) Für soziale Ungerechtigkeit sein. Aber für die Egomanen unter uns haben wir doch auch ein Angebot! Der Wunsch nach einer unabhängigeren und besseren Lehre. Ist das etwa nichts? Weg von dem Schulkram? Hin zu freier und unabhängiger Forschung? Oder kommt man damit heute auch nicht mehr weit in der Wirtschaft? Das würde natürlich einiges erklären... In diesem Sinne...

Du schreibst:

"Die studentischen Gremien der Uni Osnabrück haben sich seit je her dagegen entschieden, an der Verteilung der Studiengebühren beteiligt zu werden oder davon zu profitieren. Die einzige Ausnahme ist ein Topf von 500.000 EUR, der durch die ZSK in einem eng gesteckten Rahmen verteilt werden kann" (Tobi: Das Update ändert an der Aussage für die mir relevanten Punkte nichts)

Zum einen stimmt das so nur für die *zentralen* Gremien und die Verwendung *zentral* verwalteter Mitteln. In den Fachbereichen gibt es weitere Gremien, die *dezentral* über die fachbereichsspezifische Verwendung von Mitteln entscheiden und in denen Studierende und studentische Gremien (also Fachschaften) sich engagieren.

Zum anderen verwundert mich diese Haltung. Ihr zahlt Studienbeiträge (das ist für mich eine deutliche Form von "Akzeptieren"), wollt aber anschließend bei ihrer Verwendung nicht mitreden, weil ihr damit demonstriertet, sie zu akzeptieren?? Konsequenz hieße für mich: Entweder woanders studieren, wo es keine Studienbeiträge gibt (vielleicht tun das die besonders engagierten und eventuell in Onsabrück zu aktivierenden Studiengebührengegner ja bereits?), oder aber zu zahlen und konstruktiv oder aber zumindest kreativ-demonstrativ-destruktiv mitzureden.

Als Promotionsstudent muss ich keine Studienbeiträge zahlen (warum auch immer), aber als ich Mitte der 90er in Osnabrück studiert habe, war die Protestbewegung gegen Verwaltungsbeiträge und am Horizont dämmernde Studiengebühren größer (und damals lag dem Studiausweis ein Überweisungsträger über DM 89,- bei...) Am Streik haben sich damals mehr als die Hälfte der Studis beteiligt und ich erinnere mich an Wochen, in denen keine einzige meiner Lehrveranstaltungen regulär stattgefunden hat. Stattdessen wurde mit den Dozenten darüber diskutiert, ob und warum die Studienbedingungen im Fach so schlecht seien und was konkret dagegen getan werden müsse. Anschließende Vollversammlungen waren tatsächlich voll, mehr als 1000 Studis in der leergeräumten Schlossaula waren entschlossen, "Nein" zu sagen und haben das auch getan. Die Busse gen Bonn und Hannover waren jedenfalls immer ausgebucht und zu wenig. Ich würde verklärend fast sagen: Wir haben damals die frühe Einführung von Studiengebühren/-beiträgen verhindert.

Mir scheint aber, dass die aktuelle Situation vor allem am Engagement und der Unterstützung der Studierenden gebricht. Ich habe 1995 schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als meine Studi-WG die ZEIT abbestellt und stattdessen "Auto, Motor und Sport" abonniert hat. Ist für DIESE Generation von Studis nicht ein Drachenboot eine weit substanziellere Verbesserung der Studienbedingungen (im Sinne von Wohlerfühlen = besser Lernen können) als alle Zusatztutorien zusammen?

Wenn ich beim Aufruf zum Bildungsstreik in der Mensa auch heuer, 2009 noch von "Transpiworkshops" lese, von Filmen zum Ende des Faschismus in Italien vor 61 Jahren und interkulturellem Bewegungstheater, dann erkenne ich da guten (und in der Sache vielleicht unterstützenswerten, aber politisch arg überladenen) Willen.

Aber ich erkenne in den jetzigen Protesten nichts, was eine Mehrheit der HEUTE Studierenden und MORGEN Jobsuchenden (das ist ja die Selbstwahrnehmung) motivieren könnte, sich in Protest gegen 500€ zu üben, die eh Mami und Papi zahlen.

Wo Mami und Papi es nicht zahlen, so meine Hypothese, strahlt eh schon ein anderer Ortsname als "Osnabrück" auf dem Studiausweis.

Also: Hört auch auf die, die euch nicht wählen, weil sie gar nicht wählen und redet mit. Dann mit Vorschlägen "von innen", die den Beitragszahlern nützen: Weil sie Spaß bringen, weil sie das System offensichtlich ad absurdum führen (Studis begeistert von Drachenboot!) oder weil sie einfach eher Spaß- als Stadtguerilla sind. Oder weil sie die Uni wirklich ein Stück "besser" machen, was immer das "besser" heißen mag. Die Wahlbeteiligung und nachfolgend auch das Nachdenken über echte Verbesserungsvorschläge werden steigen.

Ich finde diesen Artikel absolut lobenswert! Ich bin selbst Studentin der FH Osnabrück und empört über eine derartige Verwendung der Studiengebühren.
Noch eine Frage: Weiß jemand, warum die FH Osnabrück, wenn doch so viel "Geld übrig" ist, den Vollbetrag nimmt und nicht wie etwa an der Uni Münster nur 275 €? Hat das gesetzliche Gründe oder ist das eine individuelle Entscheidung?
Ich war negativ überrascht über die vielen Kommentare, die diesem Beitrag widersprechen oder ihn ins Lächerliche ziehen. Wie viele Studenten müssen mehrmals die Woche arbeiten und wie viele Eltern müssen das Geld mühsam abstottern, damit irgendwelche Kommilitonen lustig im Drachenboot herumschippern können? Studiumsklima verbessern? Wie viele Studenten passen in so ein Boot und wie viele zahlen dafür?
Und an die Kommentatoren, die sich hier über die Anonymität beschweren, kann ich nur raten, richtig hinzuschauen...Der Autor des Blogs nennt sich selbst mit vollem Namen oben auf der Seite.

In NRW können die Hochschulen selbst einen niedrigeren Betrag festlegen. Für Niedersachsen war das damals auch vorgesehen, allerdings hatte der Herr Minister später dann plötzlich "rechtliche Bedenken" und strich daher diese Möglichkeit aus dem Entwurf.

Es hat sich übrigens niemand über die Anonymität beschwert, der erste Eintrag, der das aufgreift kam von mir und bezog sich auf den anonymen Kommentar dadrüber :-)

Na, das ist ja mal ein teures Drachenboot gewesen... als langjähriger Paddler hab ich noch nie ein Boot gesehen, das mehr als 8.000 € gekostet hat und es gibt auch nur, soweit ich weiß, 1-2 Drachenbootbauer deutschlandweit. Vielleicht ist es ja vergoldet ;)

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